Die Zukunft der Baustelle ist digital.

"Wir wollen den blinden Fleck der Daten auf der Baustelle komplett transparent gestalten."

von Nina Vutk, am 23.05.2019

Mit unserem Business-Partner Doka, ein Tochter-Unternehmen der Umdasch Group, präsentierten wir gemeinsam an der BAUMA 2019, der weltweit bedeutendsten Messe für die Baubranche, unser gemeinsames Projekt Contakt. Die digitale Plattform Contakt bündelt künftig sämtliche Prozesse der analogen Baustelle für die Kunden der Doka weltweit. Wir haben Dr. Lucas Winter, Managing Director von Contakt, für Projekt-Insights zur Baustelle 4.0. zum Interview gebeten.

Gerade heraus gefragt: die größten Herausforderungen in der Baubranche?

Eine der großen Herausforderungen ist es, den unterschiedlichen Stakeholders begreifbar zu machen, dass in einem so physischen Umfeld wie das einer Baustelle durch Digitalisierung und neue Technologien künftig ganz anders gearbeitet wird. Diese Realität scheint noch weit weg. Stell dir vor: Auf einer Baustelle ist es laut, da ist es dreckig - kannst du dir vorstellen, dass das einmal anders sein könnte? Die größte Herausforderung für uns ist es daher, Partner zu finden - sowohl Entwicklungspartner als auch Kunden als Partner, die mit uns diesen Weg der digitalen Transformation in unserer Branche mitgehen.

Welche Rolle spielt der Mensch im digitalen Transformationsprozess der Baustelle? Die digitale Baustelle 4.0 sollte ja von allen Beteiligten - wie Bauarbeitern oder Polieren - genutzt werden.

Gut für eine breite Usage ist, dass jeder Bauarbeiter ein Smartphone besitzt, da die meisten Kollegen unter der Woche in Unterkünften wohnen und das Smartphone die einzige Möglichkeit ist, mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben. Der Umgang mit dem Smartphone stellt für die Kollegen auf der Baustelle also kein Thema dar. Das Spannende aber ist, obwohl die Kollegen vor allem körperliche Arbeit leisten, dass sie ab Start der Entwicklung von Contakt die ersten digitalen Lösungen unbedingt mitverproben wollten. So konnten wir den Sclable-Ansatz gut umsetzen, nämlich das Kundenfeedback effizient - in Scheibchen - in die Produktentwicklung einarbeiten. Die digitalen Lösungen, die wir so gemeinsam entwickelt haben, wurden auch als Aufwertung des Arbeitsplatzes und der Rollen auf der Baustelle verstanden. Die Kollegen haben sich abgeholt gefühlt - da ihr Feedback Teil der Produktentwicklung ist. Das ist für uns ein spannendes Setting.

Contakt-site

Die Idee zu Contakt stand vor dem Businessplan auf der Agenda?

Die Bauindustrie ist die größte Industrie der Welt, aber die Produktivität ist gnadenlos schlecht. Das geben auch alle zu. Es war für uns klar, dass wir in einem Feld arbeiten, das großes Potenzial bietet und dass wir die Probleme lösen müssen, durch welche die Kosten verursacht werden. Aber zugleich müssen wir vor allem diejenigen Probleme priorisieren, welche die höchste Akzeptanz auf der Baustelle nach sich ziehen, wenn sie einmal gelöst sind. Dass das bis jetzt erfolgreich gelungen ist, hat sich auch aus der Arbeitsmethode von Sclable ergeben.

Woraus besteht die Arbeitsmethode von Sclable aus Kundensicht?

Das gnadenlos kundenorientierte Vorgehen, das die Kundenbedürfnisse scheibchenweise in Anforderungen übersetzt. Damit kann man sehr schnell durch Feedback verifizieren, ob der Weg der richtige ist, den man eingeschlagen hat. Das steht dem klassischen Denken diametral entgegen, nämlich im stillen Kämmerchen Luftschlösser zu bauen.

Contakt, die digitale Baustelle, wo steht sie in fünf Jahren?

Contakt ist in fünf Jahren eine Plattform, mit der wir den blinden Fleck der Daten in Bauprozessen – die Baustelle selbst – digitalisieren und komplett transparent gestalten. Transparenz ist für mich in diesem Zusammenhang ein ausschließlich positives Wort, weil wir nur durch Transparenz Produktivität sicherstellen können und so den Baubedarf der Zukunft stemmen können.

Welche Märkte sind für euch spannend?

Für uns sind industrialisierte Länder spannend, weil wir müssen unsere Lösung darauf abzielen, dass produktiver gebaut werden kann. Und die Schmerzen sind natürlich dort besonders groß, wo viel Material und Menschen zum Einsatz kommen.

Wie soll sich die Produktwelt von Contakt erweitern?

Unsere Produkte werden immer drei Facetten kombinieren: Software - gnadenlos auf den Nutzer hingetrimmt -, Hardware und Sensorik und als drittes kommt nun Künstliche Intelligenz  hinzu.